Vor dem Mausklick noch eine kleine Fliegergeschichte gefällig?
Hier ist eine, die das Leben schrieb. Das heißt, eigentlich unser
Pilot Rudolf; in einer E-Mail nach einer gottseidank geglückten
Landung.....Hallo, Gebrüder Kie!
Gestern Mittwoch war ich mit meinem guten alten Falken wieder
einmal in der Luft. Ich flog über Steyregg, St. Florian, Ansfelden,
Nettingsdorf, Kremsmünster, Sattledt, Wels, Bad Schallerbach,
Grieskirchen,
Eferding. Dort war mir erstmals etwas mulmig zumute, da sich über
dem
Mühlviertel ein Gewitter zusammenbraute. Als ich dann in Puchenau
die Donau
entlang flog, verschwand auf einmal der Pöstlingberg in dieser
schwarzen
Wolke und Blitze zuckten unaufhörlich. Zum Zeitpunkt, als ich in
Schallerbach/Grieskirchen war, versuchte man mich als einzigen
Flieger
mittels Funk vom herannahenden Gewitter zu warnen, aber das
Funksignal von Linz-Ost war in westliche Richtung zu schwach, da
sich die Antenne am Boden befindet und dahinter gleich der Hangar
steht.
So glaubte der Betriebsleiter, ich sei schon irgendwo zu Boden
gegangen; sperrte den Flugplatz zu und schloss die Hangartore.
Als sich diese schwarze Walze auf mich zu bewegte, bekam ich es mit
der Angst zu tun. Ich flog mit Höchstgeschwindigkeit einfach quer
über die Stadt Linz und über die Industrieanlagen der VOEST. Auf
meine Funkanfrage, ob eine Landung noch möglich sei, bekam ich keine
Antwort. Für eine Landung in Hörsching war es nun auch schon zu
spät, da die schwarze Mauer bereits Urfahr erreicht hatte. Als einzigen
Fluchtweg hatte ich noch den Süden.
Da ich aber nicht wusste, wie schnell dieses Unwetter gegen Süden
unterwegs war, entschloss ich mich zur Landung in Linz-Ost. Ich
hatte in diesem
Moment viel Geld gegeben, wäre ich geschützt am Boden gestanden.
Aber mit
des Schicksals Mächten.... es blieb mir nichts anderes übrig, als
wacker mit den Winden zu kämpfen.
Im Gegenanflug Richtung Urfahr schüttelte es mich kräftig durch. Die
Häuser
im Bereich der UNI wurden förmlich von der nun bereits tiefschwarzen
und
blitzedurchzuckten Wand verschlungen, als ich mich über die Donau
hinweg
zum Landeanflug entschloss. Trotz gewaltig eingeschlagener
Kurvenradien
druckte mich der starke Wind in Richtung Stadt und die Landebahn
wurde mir
"seitlich weg geschoben". Da ich aber ein Durchstarten aufgrund der
drohenden späteren Sekunden des Gewitters nicht wollte, setzte ich
die
Maschine neben die Landebahn in die Startrollbahn und rollte mit
erhöhter
Geschwindigkeit zum Hangar. Als mich die Kollegen sahen, waren sie
sehr
erstaunt und schoben die Hangartore auf. Wir zogen den Falken hinein
und da
war auch schon die Front des Gewitters über dem Flugplatz. Ein
Neuanflug wäre also nicht mehr möglich gewesen - ich wäre damit
zum Spielball der Elemente
geworden...
Mit Knieschlottern stand ich dann neben der Maschine und war
heilfroh, in
den letzten Sekunden vor den der Gewitterfront vor gelagerten
Sturmböen
gelandet zu sein - und das in Anbetracht der vorherrschenden Winde
gar nicht einmal so schlecht. Es war eine Mittwochlandung, da es
mich 2mal nach der
Bodenberührung wieder in die Höhe riss. Naja, jetzt habe ich auch
die erste
Gewittererfahrung hinter mir - eine zweite will ich gar nicht
herbeisehnen.
Alles ist gut gegangen. Die Maschine flog bissig durch die
aufkommenden
Winde in der Stadt. Bei 170 km/h im Stadtgebiet hatte ich auch kein
Radar zu
befürchten. Nur in der Maschine ist es bei einem solchen Flug alles
andere als ruhig. Durch die hohe Geschwindigkeit kommt jede Änderung
des Windes voll durch und man glaubt , sich auf einer total
desolaten Schotterstraße zu befinden. Ich
werde mich beim Magistrat wegen der schlechten Luftstraßen über dem
Stadtgebiet beschweren... ha-ha!
So, nun kann ich ja wieder lachen darüber - aber gestern ist mir
das
Lachen im Hals stecken geblieben.
Mit diesem Kurzreisebericht entlasse ich Euch wieder in die normalen
Tagesgeschäfte.
Euer
Rudi |