Der Skateboarder


Als ich den lb. Gott unlängst traf,
hätte ich ihn trotz der alten Freundschaft, die uns verbindet,
beinahe nicht wiedererkannt: stand er doch,
in weiten Hosen und mit einem Skatebrett unterm Arm,
an einen Pfeiler des Ars-Electronica-Centers gelehnt
und schaute jungen Mädchen nach, wie sie,
gleichsam im Takt einer anmutigen Barcarole,
über den geschwungenen Brückenbogen schwebten.

Hallo, grüßte ich ihn, tolle Engel, was ?
Fast kam mir vor, als sei er einen Augenblick verlegen geworden,
weil ich ihn bei etwas allzu Irdischem ertappte.
Noch dazu hatten sie im Dom
auf der anderen Seite des Flusses
vor wenigen Minute zum Hochamt geläutet.
Und Gott stand da, unter freiem Himmel,
und schaute jungen Mädchen nach.....

Tja, erwiderte er ganz selig,
diese jungen Dinger da, allerhand!
So auf die Entfernung, da könnt ich sie selber glatt
mit den Engeln zuhause verwechseln.
Aber, und dabei klopfte er mir 
mit der freien Hand auf die Schulter,
oben oder unten, sie sind ja alle von mir ....

Darauf ich, meiner christlichen Erziehung eingedenk:
Und daß heute Sonntag ist, daß dort drüben
soeben das Hochamt begonnen hat?
Wärest Du da nicht eher
dort drüben zuhause,
anstatt hier so
lässig und....

Mein lieber alter Freund, unterbrach er mich lächelnd,
stellte das Skateboard vor sich auf den Boden
und machte sich startklar:
Die Religionen sind etwas sehr Sonderbares;
je mehr sie über mich reden,
um so weniger möchten sie
in Wahrheit von mir wissen!
 

 
 
 

Walter Kiesenhofer, walkie@gmx.at

 
 

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